Fritz!Box — der Spion im eigenen Haus

Wer sich mit dem Thema Hacking zum ersten Mal befasst, stößt schnell auf Beiträge zu Tools wie nmap, Wireshark oder gleich das fer­tig kon­fi­gu­rier­ter Hacking-Betriebssystem zum Download Kali-Linux. Doch dabei muss man eigent­lich gar nicht so tief in die Materie ein­drin­gen, steht der Sniffer zum Datenschnüffeln doch bereits in vie­len Haushalten und Organisationen zum Einsatz bereit. Die Rede ist von der AVM Fritz!Box!

Glauben Sie nicht? Sie haben eine Fritz!Box in Ihrem Netzwerk? Dann rufen Sie doch ein­fach mal die fol­gen­de URL auf — http://fritz.box/html/capture.html und stau­nen Sie. Zuerst sieht alles aus wie die nor­ma­le Anmelde-Oberfläche für das Konfigurationsinterface Ihrer Fritz!Box. Sobald Sie sich mit Administrator-Rechten in dem Login ange­mel­det haben, erscheint eine nicht im Anwender-Handbuch der Fritz!Box beschrie­be­ne Funktion samt Oberfläche. Willkommen beim inter­nen Schnüffeltool für Ihr Netzwerk!

Screenshot der Capture-Oberfläche der Fritz!Box

Screenshot Capture Oberfläche der Fritz!Box

Jetzt wäh­len Sie nur noch die Schnittstelle aus (die Auswahlmöglichkeiten enden nicht mit die­sem Screenshot, scrol­len Sie ein­fach mal wei­ter nach unten) und drücken den “Start”-Button. Wenn Sie der Meinung sind, genü­gend Informationen an die­ser Schnittstelle mit­ge­schnit­ten zu haben, klicken Sie auf “Stopp” und laden den Mitschnitt auf Ihr Endgerät her­un­ter. Nun reicht ein nor­ma­ler Textbetrachter — oder kom­for­ta­bler der Import in ein Tool wie Wireshark — und Sie haben die kom­plet­te Netzwerkkommunikation im Klartext vor sich — inklu­si­ve genutz­ter Zugangsdaten und Passwörter. Im Klartext, sofern kei­ne ver­schlüs­sel­ten Netzwerkverbindungen wie https oder ande­re für die Übertragung genutzt wur­den. Zahlreiche Programme und Apps, aber auch nicht sen­si­bi­li­sier­te Anwender über­tra­gen Daten unver­schlüs­selt über das Netzwerk. Nutzern soll­te man stets raten, aus­schließ­lich https-gesicherte Verbindungen im Browser zu nutzen.

Geht nur mit den gro­ßen Fritz!Boxen von AVM? EIn Trugschluss. Wir haben meh­re­re Modelle begin­nend von der 4020 (ohne DSL Modem) bis hin zur 7490 gete­stet, es geht!

Glauben Sie nicht? Machen Sie doch ein­fach selbst den Test. Aktivieren Sie das Mitschneiden wie oben beschrie­ben an der Schnittstelle, an der Sie mit Ihrem aktu­el­len Gerät ange­schlos­sen sind. Öffnen Sie wei­te­re Browserfenster, sur­fen Sie ein wenig, nut­zen Sie Anmelde- oder Registrierungsformulare. Dann zurück zur Fritz!Box-Oberfläche, Stopp, Download und Textbetrachter anwerfen.

Normalerweise kann die Funktion nur von inner­halb eines Netzwerks auf­ge­ru­fen wer­den. Sollte jedoch der Web-Zugang zu Ihrer Fritz!Box akti­viert und unsi­cher sein oder ein VPN-Zugang in Ihr inter­nes Netz kom­pro­mit­tiert sein, dann steht die Anmelde-Oberfläche auch ande­ren, eher uner­wünsch­ten Nutzern zur Verfügung. Eigentlich selbst­ver­ständ­lich, die Anmelde-Oberfläche der Fritz!Box mit einem star­ken Passwort zu sichern.

Eigentlich ist die­se Funktion zur Fehleranalyse inte­griert. Wie so oft bei sol­chen Funktionen, kann die­se jedoch auch zu bös­ar­ti­gen Zwecken genutzt wer­den. Sobald Zugang zur Oberfläche der Fritz!Box besteht, ist ein Mitschneiden des Datenverkehrs ALLER ange­schlos­se­nen Geräte möglich.

Wer sich nun frisch ans Werk macht, egal ob in sei­ner Behörde, sei­nem Unternehmen oder daheim im Privatnetzwerk, dem sei der Blick auf die Paragraphen 202a, 202b, 202c (Vorbereiten des Ausspähens und Abfangens von Daten), 303a sowie 303b Strafgesetzbuch nahe­ge­legt. Es han­delt sich hier um kein Kavaliersdelikt, son­dern um eine Straftat. Und das gilt auch für den Einsatz im hei­mi­schen pri­va­ten Netzwerk ohne Kenntnis der ande­ren Familienmitglieder / Nutzer. Auch im dienst­li­chen / geschäft­li­chen Umfeld soll­te der Einsatz zuvor mit der Behörden-/Unternehmensleitung, sowie dem Personal-/Betriebsrat und dem Datenschutz- sowie dem Informationssicherheitsbeauftragten abge­klärt wer­den. Der Einsatz durch einen Mitarbeiter außer­halb der IT und ohne Abstimmung ver­bie­tet sich von selbst.

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